– Note #16 – Juli 2026 –
„Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren.“André Gide
Neue Erdteile? Oder einfach mal eine andere Matte?
Mal ehrlich: Der Vergleich hinkt doch gewaltig, oder?
Zwischen der Entdeckung neuer Erdteile und dem Besuch eines anderen Yogakurses liegen schließlich Welten. Die einen brechen zu unbekannten Ufern auf, die anderen rollen ihre Matte einfach nur an einem anderen Wochentag aus. Oder hinkt der Vergleich vielleicht doch nicht ganz so sehr?
In letzter Zeit ist mir etwas aufgefallen: Sobald die Lieblingslehrerin oder der Lieblingslehrer nicht im Kursplan steht, bleiben manche Mattenplätze plötzlich leer. Da scheint der innere Schweinehund erstaunlich kreativ zu werden: „Wenn XY nicht unterrichtet, komme ich lieber nächste Woche wieder.“ Echt jetzt?
Versteh mich nicht falsch: Ich freue mich über beliebte Kurse und treue Teilnehmer:innen. Und natürlich ist es schön, wenn man Lehrer:innen findet, bei denen man sich wohlfühlt. Aber ist das nicht manchmal ein bisschen kurz gedacht? Yoga lädt uns doch immer wieder dazu ein, flexibel zu bleiben. Im Körper. Im Kopf. Im Leben. Warum sollte das bei der Wahl des Mattenplatzes anders sein?
Ich beobachte oft das Gegenteil: Ein Kurs hat eine lange Warteliste, während zeitgleich in einem anderen Kurs noch viele Plätze frei sind. Dabei könnte genau dort etwas Spannendes auf uns warten. Eine andere Perspektive. Eine neue Herangehensweise. Vielleicht sogar eine Stimme, die uns Dinge erklärt, die wir bisher noch nie gehört haben.
Denn wenn wir immer nur das Gewohnte wählen, wird vieles irgendwann ZUM AUTOMATISMUS.. Wir kennen die Abläufe, die Formulierungen, die Übergänge. Die Ohren hören nicht mehr ganz so aufmerksam hin, weil sie glauben, ohnehin schon zu wissen, was als Nächstes kommt. Und genau da beginnt Lernen und Wachstum oft aufzuhören.
Vor ein paar Tagen hat sich bei uns eine junge, frisch ausgebildete Pilates-Trainerin vorgestellt. Einige von euch haben ihren Kurs besucht. Ich übrigens auch. Und siehe da: Es war richtig gut. Wieder eine neue Perspektive! Wieder jemand, der unser Team bereichert.
Ich selbst gehöre übrigens zu den Menschen, die ständig Neues ausprobieren. Die ungewöhnliche Eissorte statt Vanille. Das unbekannte Gericht auf der Karte statt des sicheren Favoriten. Zugegeben: Das geht nicht immer gut aus. Aber wenn ich es nicht probiere, werde ich nie erfahren, ob mir vielleicht etwas noch besser gefällt.
Beim Reisen ist es ähnlich: Wir machen fast jeden Urlaub an einem anderen Ort. Nicht, weil die bisherigen Reiseziele schlecht waren, sondern weil es noch sooo viel zu entdecken gibt. Und dafür muss man nicht ans andere Ende der Welt fliegen, Europa ist wunderschön. Deutschland auch. Oft liegen die spannendsten Entdeckungen näher, als man denkt... (Ich bin gerade tatsächlich urlaubsreif und freue mich sehr auf den Tapetenwechsel, der schon vor der Tür steht.)
Wenn bei dir also in den nächsten Wochen kein Urlaub ansteht, weil die Kollegin mit schulpflichtigen Kindern zuerst dran ist oder andere Verpflichtungen warten, dann habe ich einen Vorschlag: Komm trotzdem auf die Matte ;-). Vielleicht sogar bewusst an einen anderen Platz im Raum, in einen anderen Kurs... Oder zu einer Lehrerin oder einem Lehrer, die du bisher noch nicht kennst!
Lass die vertraute Küste ruhig einmal kurz außer Sichtweite geraten. Sie läuft nicht weg. Du kannst jederzeit zurückkehren. Aber vielleicht entdeckst du unterwegs etwas, das du sonst verpasst hättest...
Viel Freude beim Ausprobieren und wie immer Carpe diem
Deine Susanne