– Note #17 – August 2026 –
„Das Leben wird enger oder weiter – je nachdem, wie mutig wir sind.“Anaïs Nin
Einmal Reset, bitte?
Kennt ihr diesen Moment, in dem eigentlich alles läuft – und man sich trotzdem fragt: Will ich eigentlich, dass es genau so weiterläuft?
Nicht, weil alles schlecht ist. Ganz im Gegenteil: Man hat sich etwas aufgebaut, Dinge funktionieren, Abläufe sind eingespielt, man weiß, was man tut. Und irgendwann stellt man fest: Man ist ziemlich gut darin geworden, das Leben zu leben, das man sich irgendwann einmal ausgesucht hat.
Nur: Passt es eigentlich noch genauso gut zu dem Menschen, der man heute ist? Diese Frage beschäftigt mich gerade. Ich habe in den vergangenen Jahren unglaublich viel aufgebaut, organisiert, geplant, entschieden, ermöglicht und vermutlich noch viel öfter Probleme gelöst, von denen die meisten gar nicht mitbekommen haben, dass es sie gab. Das gehört dazu. Und vieles davon mache ich gerne. Aber in letzter Zeit erwische ich mich immer häufiger bei einer anderen Frage: Wo bin eigentlich ICH in dem ganzen Laden geblieben?
Ich bin ziemlich gut darin, anderen eine Bühne zu bauen, Menschen zu unterstützen, Ideen möglich zu machen, Räume zu schaffen und im Hintergrund dafür zu sorgen, dass vorne alles schön aussieht.
Nur, wenn es darum geht, mich selbst auf diese Bühne zu stellen, wird es plötzlich interessant. Dann meldet sich nämlich zuverlässig diese kleine Stimme: Wer bin ich schon? Was habe ausgerechnet ich zu erzählen? Was kann ich, was andere nicht längst viel besser können? Muss ich mich wirklich so wichtig nehmen? Heute hat diese Stimme sogar einen schicken Namen: Imposter-Syndrom (was sie aber auch nicht sympathischer macht).
Aber vielleicht muss ich gar nicht besser sein als andere. Nicht klüger, jünger, beweglicher, erfolgreicher oder lauter. Vielleicht darf ich einfach sagen: Das bin ich. Das kann ich. Das interessiert mich. Und davon möchte ich mehr.
Und damit bin ich wieder bei Anaïs Nin: „Das Leben wird enger oder weiter – je nachdem, wie mutig wir sind.” Ich glaube nämlich nicht, dass damit immer der große Heldenmut gemeint sein muss: Haus verkaufen, Job kündigen, Rucksack auf und ab nach Australien. Obwohl – je nach Tagesform…
Vielleicht zeigt sich Mut viel häufiger in den kleinen Veränderungen: Ich starte zum Beispiel gerade ein Social-Media-Mentoring. Und das Interessante daran ist für mich weniger Social Media als die Tatsache, dass ich dafür etwas tue, das mir erstaunlich schwerfällt: Ich hole mir Hilfe.
Ich gehöre nämlich eindeutig zur Fraktion „Bekomme ich schon selbst irgendwie hin“. Mich hinzusetzen und zu sagen: Davon habe ich nicht genug Ahnung, da brauche ich jemanden, der mir zeigt, wie es geht, ist für mich tatsächlich ungewohnt. Noch schwieriger wird allerdings die nächste Frage: Gebe ich dem, was ich da lernen und entwickeln möchte, auch wirklich Raum?
Denn Zeit liegt selten irgendwo ungenutzt herum und wartet darauf, dass wir endlich eine gute Idee haben. Es gibt immer etwas, das erledigt werden muss, jemand, der etwas braucht. Etwas, das gerade wichtiger erscheint...
Vielleicht besteht mein persönliches „Raus aus der Komfortzone“ deshalb gerade gar nicht darin, etwas Neues anzufangen, sondern darin, dem, was ich für mich möchte, dieselbe Wichtigkeit zu geben wie all den Dingen, die ich für andere tue. Nicht darauf zu warten, dass irgendwann Zeit dafür übrig bleibt, sondern sie mir zu nehmen. Und auszuhalten, dass dafür vielleicht auch einmal etwas anderes warten muss.
Das fühlt sich für mich gerade tatsächlich ein bisschen mutig an. Ich bin noch lange nicht fertig mit dem, was ich tue, aber vielleicht bin ich fertig damit, es genauso zu machen wie bisher.
Und möglicherweise ist genau das der Moment, in dem mein Leben wieder ein kleines bisschen weiter wird. Mal sehen, was passiert.
Deine Susanne